Apple hat nach mehreren Verzögerungen die nächste Generation von Siri veröffentlicht. Das ist ein Bruch mit der bisherigen Strategie: Zum ersten Mal setzt der Konzern nicht auf ein eigenes KI-Modell, sondern auf Googles Gemini. Das neue "Siri AI" läuft teils auf dem Gerät, teils über Apples Private Cloud Compute – und wird laut Apple als Beta bereitgestellt. Nur: In der EU und in China startet der Dienst vorerst nicht.
Kurz & knapp
- Siri AI basiert auf Googles Gemini-Modellen und verarbeitet Daten hybrid (On-Device + Private Cloud Compute)
- Verfügbar zunächst auf Englisch, weitere Sprachen (Französisch, Japanisch, Koreanisch, Portugiesisch, Spanisch) folgen im nächsten Monat
- Der Assistent versteht persönlichen Kontext aus Nachrichten, E-Mails und Fotos sowie Bildschirminhalte
- EU-Blockade: Der Dienst ist in der Europäischen Union zunächst nicht verfügbar
- Rollout über iOS 27, iPadOS 27, macOS 27, watchOS 27 und visionOS 27
Was das neue Siri kann
Das überarbeitete System unterscheidet sich fundamental von der bisherigen Siri. Der Assistent erfasst nun persönlichen Kontext aus Nachrichten, E-Mails und Fotos, wertet Bildschirminhalte aus und ruft Web-Informationen ab. Über systemweite App-Aktionen kann er etwa E-Mails entwerfen, Fotos bearbeiten und teilen oder – Apples Beispiel – ein in Nachrichten erwähntes Familienrezept finden und dessen Zutaten in die Erinnerungen-App übertragen.
Neben Apples eigenen Apps arbeitet Siri mit Drittanbietern zusammen: WhatsApp und Audible sind bereits dabei, Outlook, Notability und Tripsy folgen. Aufgerufen wird der Assistent per "Hey Siri", Seitenknopf, Dynamic Island oder – auf iPad und Mac – über Spotlight. Eine neue Siri-App synchronisiert Chatverläufe über iCloud.
Erste Tests: Fortschritt mit Schwächen
TechCrunch-Redakteur Ivan Mehta, der iOS 27 seit der Beta testet, beschreibt das neue Siri als Fortschritt. Er nutze den Assistenten nun wieder regelmäßig für mehrstufige Anfragen und Bildschirmkontext, nachdem er Siri wie viele Nutzer zuvor kaum verwendet habe. Allerdings berichten erste Tester auch von anhaltenden Problemen: Halluzinationen und Lücken beim persönlichen Kontext sind weiterhin ein Thema.
Warum die EU leer ausgeht
Die Nicht-Verfügbarkeit in der EU ist kein technisches Problem – es ist regulatorisch. Der EU AI Act und seine Compliance-Anforderungen machen es für Apple offenbar schwieriger, den Dienst zeitnah in Europa zu starten. Apple hat bereits signalisiert, dass mehrere KI-Features in der EU verzögert oder gar nicht verfügbar sein werden. Siri AI reiht sich in diese Liste ein.
Apples KI-Strategie breiter
Siri ist nur der Anfang. Apple verteilt KI-Funktionen systemweit: Die Fotos-App erhält Werkzeuge wie Spatial Reframing und Extend, Image Playground erzeugt nun fotorealistische Bilder über Private Cloud Compute und soll den SynthID-Standard zur Kennzeichnung von KI-Bildern unterstützen. Safari organisiert Tabs nach Themen, Shortcuts lassen sich per natürlicher Sprache beschreiben. Audio-Intelligence-Funktionen für Apple Watch und ein Health-App-Redesign folgen später im Jahr.
Was das für deutsche Unternehmen bedeutet
Die Abhängigkeit Apples von Googles Gemini zeigt, wie sehr die KI-Landschaft von wenigen Playern dominiert wird. Für deutsche Unternehmen ist relevant: Erstens fragmentiert sich der europäische Markt durch regulatorische Unterschiede – Features, die in den USA verfügbar sind, kommen in die EU verzögert oder gar nicht. Zweitens wird deutlich, dass auch Tech-Giganten wie Apple bei Sprachmodellen auf externe Partner angewiesen sind. Das eröffnet Chancen für spezialisierte europäische KI-Anbieter, schärft aber auch die Frage, wie abhängig europäische Infrastruktur von US-amerikanischen Modellen bleibt.
Quellen
Redaktionell verantwortet von Ideal Syka. Quellen und Arbeitsweise: Redaktion & Methode. Hinweise und Korrekturen: ai@i6eal.de.




