Chinesische KI-Unternehmen haben eine Lücke in der US-Exportkontrolle entdeckt und nutzen sie systematisch: Sie greifen auf Nvidias leistungsstärkste Chips nicht durch direkten Kauf zu, sondern mieten die Rechenleistung remote über Rechenzentren in Südostasien an. Das ist bislang legal – und genau das will Washington jetzt ändern.
Kurz & knapp
- Moonshot AI nutzte laut White-House-Vorwürfen Nvidias fortgeschrittene Chips über eine Einrichtung in Thailand, um sein Modell Kimi K3 zu trainieren
- Auch ByteDance, Alibaba und Tencent sollen remote auf Nvidia-Compute in Thailand, Malaysia und Japan zugreifen
- Das US-Exportkontrollregime regelt den Besitz physischer Chips, nicht den Remote-Zugang zu ihrer Rechenleistung
- Gesetzgeber diskutieren neue Regelungen, um Cloud-Zugang zu kontrollierten Technologien zu regulieren
Die Lücke im Export-Regime
Nvidias Monopol auf die leistungsstärksten KI-Chips ist zum Schlüsselinstrument der US-Geopolitik geworden. Washington hat den Export dieser Chips nach China verboten – doch die Regelung hat einen blinden Fleck: Sie kontrolliert, wer die Hardware besitzt, nicht wer sie nutzt.
"Das US-Exportkontrollregime kontrolliert physische KI-Chips. Es deckt Remote-Zugang zu diesen Chips nicht ab."
So erklärt es Cassia King, Senior Researcher beim Institute for AI Policy and Strategy, gegenüber CNBC. Solange chinesische Firmen die Hardware nicht selbst kaufen und besitzen, bewegen sie sich in einer rechtlichen Grauzone. Sie mieten sich einfach in südostasiatische Rechenzentren ein, wo Nvidia-Chips stehen – und trainieren dort ihre KI-Modelle.
Konkrete Fälle und Auswirkungen
Die Praxis ist keine Theorie: Weniger als eine Woche nach der Veröffentlichung von Moonshot AIs neuem Modell im Juli beschuldigte White-House-Offizieller Michael Kratsios das Unternehmen öffentlich, fortgeschrittene Nvidia-Chips über eine Anlage in Thailand zu nutzen. Moonshot AIs Kimi K3 gehört zu einer Welle neuer chinesischer KI-Systeme, die in letzter Zeit erhebliche Leistungssprünge gemacht haben.
Auch DeepSeek und Alibaba haben kürzlich neue KI-Systeme veröffentlicht, die bei Performance-Benchmarks gut abschneiden. Branchenbeobachter sehen den Zugang zu fortgeschrittener Rechenleistung über ausländische Cloud-Provider als Schlüsselfaktor dafür, dass chinesische KI-Modelle an Fähigkeiten gewinnen.
Washington plant Gegenmittel
Die US-Regierung arbeitet an Lösungen. Gesetzgeber diskutieren, der US-Regierung Befugnisse zu geben, auch den Remote-Cloud-Zugang zu kontrollierten Technologien zu regulieren. Allerdings bleiben Hürden bestehen, bevor solche Maßnahmen wirksam werden können.
Die Trump-Administration erklärte gegenüber CNBC: "Die Trump-Administration hat das strengste Exportkontrollregime der modernen Geschichte umgesetzt und bleibt dem Schutz der nationalen und wirtschaftlichen Sicherheit Amerikas verpflichtet."
Die Departments of Commerce und das Bureau of Industry and Security (BIS) äußerten sich nicht zu den Vorwürfen. ByteDance, Tencent und Alibaba lehnten Stellungnahmen ab oder antworteten nicht.
Was das für deutsche Unternehmen bedeutet
Diese Entwicklung hat indirekte Folgen für europäische KI-Infrastruktur: Wenn die USA ihre Exportkontrollen verschärfen und auch Remote-Zugang regulieren, könnte das den globalen Markt für Cloud-Rechenleistung fragmentieren. Deutsche und europäische Unternehmen müssen damit rechnen, dass Nvidia-Chips künftig stärker reglementiert werden – und dass Rechenzentren in Europa selbst zum strategischen Rohstoff im KI-Wettbewerb werden. Gleichzeitig wächst der Druck, in europäische Alternativen und offene Modelle zu investieren.
Quellen
Redaktionell verantwortet von Ideal Syka. Quellen und Arbeitsweise: Redaktion & Methode. Hinweise und Korrekturen: ai@i6eal.de.




