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BKA plant Zugriff auf Clearview AI – Bundestag soll Gesetz ändern

Das Bundeskriminalamt will erstmals systematisch auf die US-Gesichtserkennungsdatenbank Clearview AI zugreifen. Der Bundestag soll dafür ein Gesetz ändern – Experten warnen vor massiven Überwachungsrisiken.

BKA plant Zugriff auf Clearview AI – Bundestag soll Gesetz ändern

Das Bundeskriminalamt (BKA) will im zweiten Anlauf ein Gesetz durchsetzen, das ihm erlaubt, biometrische Daten von Internetquellen – konkret von Anbietern wie Clearview AI – abzugleichen. Der Bundestag soll diese Änderung beschließen. Damit hätte eine deutsche Behörde erstmals direkten Zugriff auf eine private US-Gesichtserkennungsdatenbank, die Millionen von Fotos aus dem Internet enthält.

Kurz & knapp

  • Das BKA plant, anonym auf Clearview-AI-Datenbanken zuzugreifen – ohne dass Betroffene davon erfahren
  • Der Bundestag soll ein Gesetz zur biometrischen Datenabfrage ändern, um dies zu ermöglichen
  • Experten warnen vor unkontrollierter Überwachung und Missbrauchspotenzial
  • Es handelt sich um einen zweiten Anlauf – das Vorhaben scheiterte bereits früher

Was ist Clearview AI?

Clearview AI ist ein US-amerikanisches Unternehmen, das eine der weltweit größten Gesichtserkennungsdatenbanken betreibt. Die Datenbank enthält Milliarden von Fotos, die das Unternehmen aus öffentlich zugänglichen Internetquellen – sozialen Medien, Nachrichtenseiten, Überwachungskameras – zusammengetragen hat. Behörden weltweit nutzen die Plattform zur Verdächtigenidentifikation.

Das BKA würde über diese Datenbank Gesichter von Personen abgleichen können, ohne dass diese wissen, dass ihre Daten abgefragt wurden. Das ist der entscheidende Punkt: Die Abfrage soll anonym erfolgen – Betroffene erhalten keine Benachrichtigung.

Zweiter Versuch nach Widerstand

Das BKA versucht bereits zum zweiten Mal, diese Befugnis zu erhalten. Das deutet darauf hin, dass es beim ersten Anlauf auf Widerstand stieß – möglicherweise im Bundestag, möglicherweise von Datenschützern oder Bürgerrechtsorganisationen. Welche konkreten Gründe zum Scheitern führten, geht aus der verfügbaren Information nicht hervor.

Die erneuerte Initiative zeigt, dass Sicherheitsbehörden das Thema nicht ad acta legen, sondern mit veränderter Strategie erneut angreifen.

Experten warnen vor Überwachung

Datenschützer und Sicherheitsexperten äußern Bedenken gegen die Gefahren von Überwachung und Gesichtserkennung. Die Kritik zielt auf mehrere Punkte:

  • Fehlende Transparenz: Betroffene wissen nicht, dass ihre Daten abgefragt werden
  • Mangelnde Kontrolle: Wer hat Zugriff auf die Abfragen? Wie werden Missbrauch und Fehlidentifikationen verhindert?
  • Datenschutz-Konflikt: Clearview AI operiert in den USA unter anderen Datenschutzstandards als die EU/Deutschland
  • Fehlerquoten: Gesichtserkennungssysteme sind nicht fehlerfrei – falsche Treffer können zu Ermittlungen gegen Unschuldige führen

Die Nutzung von Clearview-Daten durch deutsche Behörden wirft auch Fragen zur Rechtmäßigkeit unter deutschem und EU-Recht auf, insbesondere unter der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und dem EU AI Act.

Was bedeutet das für deutsche Unternehmen?

Diese Entwicklung hat indirekte Auswirkungen auf Unternehmen: Sie zeigt, dass deutsche Behörden verstärkt auf private US-Datenbanken zugreifen wollen – ein Trend, der auch andere Bereiche betreffen könnte. Für Unternehmen, die mit personenbezogenen Daten arbeiten, wird die Frage relevanter, wie ihre Daten durch Behörden abgefragt werden können. Gleichzeitig verschärft sich der regulatorische Druck: Wer KI-Systeme mit Gesichtserkennung einsetzt, muss mit strengeren Compliance-Anforderungen rechnen.

Die Debatte zeigt auch, dass die Spannung zwischen Sicherheitsinteressen und Datenschutz in Deutschland weiterhin ungelöst ist.

Quellen

Redaktionell verantwortet von Ideal Syka. Quellen und Arbeitsweise: Redaktion & Methode. Hinweise und Korrekturen: ai@i6eal.de.

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