Sony Music Publishing und Warner Chappell Music haben am 28. August 2026 Klage gegen Anthropic eingereicht – und beschuldigen das KI-Unternehmen damit des "offensichtlichsten und größten laufenden Diebstahls von geistigem Eigentum in der Geschichte". Die Beschwerde wurde beim US District Court für den Northern District of California eingereicht und nennt auch Anthropic-Gründer Dario Amodei und Co-Founder Benjamin Mann als persönliche Beklagte.
Kurz & knapp
- Zehntausende Kompositionen: Sony und Warner werfen Anthropic vor, "tens of thousands" urheberrechtlich geschützte Musikwerke illegal zum Training von Claude genutzt zu haben – darunter Hits wie "All I Want for Christmas is You" und "Eye of the Tiger"
- Schadensersatz bis $150.000 pro Werk: Bei dieser Summe könnte die theoretische Haftung laut Klage in den Milliardenbereich führen; hinzu kommen bis zu $25.000 pro Werk für Entfernung von Copyright-Informationen
- Vierte Großklage: Nach Klagen von Universal Music Publishing Group (Oktober 2023, über 500 Songs), Concord/UMG (Januar 2026, über 20.000 Werke mit $3-Mrd.-Forderung), BMG (März 2026) und Round Hill Music (August 2026) ist dies die erste Klage der Sony/Warner-Verlage selbst
- BitTorrent-Downloads: Die Klage belegt, dass Mann im Juni 2021 mindestens fünf Millionen Piraten-Bücher von Library Genesis heruntergeladen haben soll; Anthropic-Mitarbeiter luden im Juli 2022 zwei Millionen weitere von Pirate Library Mirror herunter
Das Trainings-Szenario
Die Klage dokumentiert ein systematisches Muster: Anthropic-Mitarbeiter nutzten BitTorrent-Protokolle, um massenhaft urheberrechtlich geschützte Inhalte herunterzuladen – nicht nur Bücher, sondern auch Musikdatenbanken. Diese wurden dann als Trainingsmaterial für Claude genutzt und erscheinen Angaben zufolge auch in den Ausgaben des Modells.
"In blatant violation of copyright law, Defendants have unlawfully acquired troves of Music Publishers' musical compositions, and then systematically copied those works multiple times, including as the inputs to train Anthropic's Claude AI models and in the outputs those models generate."
Die Beschwerde von Sony und Warner nennt vier Vorwürfe: direkte Urheberrechtsverletzung durch BitTorrent, Mitverantwortung (gegen Amodei und Mann persönlich) sowie Entfernung oder Verfälschung von Copyright-Verwaltungsinformationen.
Präzedenzfall für die KI-Industrie
Diese Klage unterscheidet sich von bisherigen Fällen dadurch, dass sie nicht einzelne Werke, sondern ein systematisches Trainings-Modell angreift. Ein Richter in einem parallelen Autorenprozess (Bartz v. Anthropic) bezeichnete Anthropics Vorgehen bereits als "straightforward piracy but at massive scale" – Piraterie im massiven Maßstab.
Sony und Warner werden von den gleichen Anwälten vertreten wie die Concord/UMG-Klage (Oppenheim + Zebrak, Pryor Cashman). Sie fordern neben Schadensersatz auch die Vernichtung aller infringing Kopien und vollständige Offenlegung von Claudes Trainingsdaten.
Was das für deutsche Unternehmen bedeutet
Dieser Fall könnte zum Präzedenzfall werden für die Haftung von KI-Anbietern beim Training auf urheberrechtlich geschützten Werken. Deutsche Musikverlage, Buchverlage und Softwareunternehmen sollten beobachten, wie US-Gerichte die Frage bewerten, ob KI-Training auf Basis von Piraterie-Downloads als "Fair Use" gilt – oder nicht. Für deutsche KI-Entwickler könnte das bedeuten: Ohne klare Lizenzierung oder Opt-out-Mechanismen wird die Haftungsexposition erheblich.
Quellen
Redaktionell verantwortet von Ideal Syka. Quellen und Arbeitsweise: Redaktion & Methode. Hinweise und Korrekturen: ai@i6eal.de.




