Google hat die staatliche Umweltgenehmigung für sein geplantes KI-Rechenzentrum in Andhra Pradesh erhalten. Die Freigabe umfasst eine Leistungskapazität von 2,51 Gigawatt – mehr als das Doppelte der ursprünglich angekündigten 1 GW. Das Projekt ist Teil einer 15-Milliarden-Dollar-Investition, die der Konzern zwischen 2026 und 2030 in Indien plant.
Kurz & knapp
- 2,51 GW genehmigte Leistung entspricht der Kapazität zweier großer Kernreaktoren
- Genehmigung erteilt in nur 9 Tagen – ohne öffentliche Anhörung
- Betrifft über 30 Prozent des jährlichen Stromverbrauchs von Andhra Pradesh
- 520 Familien in Tarluvada wurde Land entzogen; 47 Dalit-Farmer erhielten Entschädigungen, laut Berichten stehen versprochene Ersatzparzellen und Arbeitsplätze teilweise noch aus
Infrastruktur im Gigawatt-Maßstab
Google plant in der Region Visakhapatnam einen sogenannten Full-Stack-KI-Hub – Indiens ersten seiner Art. Dazu gehören neben dem Rechenzentrums-Campus für gigawatt-skalige Kapazitäten auch eine erweiterte Glasfaseranbindung, neue Energieinfrastruktur und ein internationales Subsea-Kabel-Gateway mit mehreren Seekabeln für Routendiversität und Resilienz.
Die behördliche Entscheidung fiel in ungewöhnlich kurzem Zeitraum. Auf eine öffentliche Anhörung wurde verzichtet – ein Vorgehen, das Kritiker als regulatorische Schnelligkeit ohne ausreichende Transparenz bewerten.
Widerstand von Zivilgesellschaft und Gerichten
Gegen das Projekt regt sich erheblicher Widerstand. Das Human Rights Forum hat bereits drei Petitionen beim National Green Tribunal eingereicht und führt zudem ein separates Verfahren vor dem High Court von Andhra Pradesh.
Die Kritik richtet sich auf mehrere Punkte:
| Kritikpunkt | Details |
|---|---|
| Standortwahl | Einer der drei geplanten Komplexe liegt nur wenige Meter von Reservatswald, Trinkwasserreservoir und Wildtierschutzgebiet entfernt |
| Landenteignung | 520 Familien in Tarluvada wurde Land entzogen, das der Staat vor etwa 20 Jahren an sie vergeben hatte |
| Unvollständige Kompensation | 47 betroffene Dalit-Farmer erhielten Entschädigungen; laut Berichten stehen versprochene Ersatzparzellen und Arbeitsplätze teilweise noch aus |
Bereits im April hatten Sicherheitskräfte Zäune auf dem Gelände errichtet.
Was das für deutsche Unternehmen bedeutet
Die Nachricht zeigt ein globales Muster: Während Tech-Konzerne massiv in KI-Infrastruktur investieren, schaffen Regulatoren parallel verbindliche Rahmen – in Europa etwa durch den EU AI Act. Deutsche Mittelständler und Industrieunternehmen, die KI-Systeme einsetzen oder entwickeln, sollten zwei Dinge im Blick behalten: Erstens, dass die Verfügbarkeit von Rechenkapazität weltweit umkämpft ist und Investitionen in lokale oder europäische Infrastruktur an Gewicht gewinnen. Zweitens, dass die Genehmigung solcher Megaprojekte zunehmend auch gesellschaftliche und ökologische Fragen aufwirft – ein Muster, das auch in Europa relevant wird, wenn es um große KI-Rechenzentren geht.
Quellen
Redaktionell verantwortet von Ideal Syka. Quellen und Arbeitsweise: Redaktion & Methode. Hinweise und Korrekturen: ai@i6eal.de.




