Google arbeitet unter Hochdruck an Gemini 4 und will das Modell deutlich früher als Ende 2026 veröffentlichen. Das sagte Koray Kavukcuoglu, der neue Leiter von Googles DeepMind-Division, in einem Interview mit The Information. Damit signalisiert der Konzern, dass er die Verzögerungen der vergangenen Monate überwinden will – und wieder näher an die Konkurrenz heranrücken möchte.
Kurz & knapp
- Gemini 4 befindet sich derzeit in der Verfeinerungsphase und soll "so bald wie möglich" veröffentlicht werden
- Google hat seit November 2025 kein neues Flagship-Modell mehr gelauncht; OpenAI (GPT-6) und Anthropic (Mythos-Serie) sind inzwischen vorbeigezogen
- Kavukcuoglu kündigte an, dass Google "schnelle, wiederholte Iterationen" fortsetzen wird
- Der geplante Gemini 3.5 Pro-Update im Juni 2025 wurde nie veröffentlicht
Warum Google ins Hintertreffen geriet
Die Verzögerungen bei Gemini 4 sind kein Zufall. Google CEO Sundar Pichai hatte im Mai beim I/O-Event angekündigt, dass ein großes Gemini 3.5 Pro-Update im Juni kommen würde – um die Lücke zu Konkurrenten zu schließen. Das Update kam nie. Stattdessen "nahm sich das Unternehmen einen Schritt zurück", wie Kavukcuoglu einräumte, um sich auf schnellere, weniger ressourcenintensive Flash-Modelle zu konzentrieren.
Das war strategisch ein Fehler. Während Google an Flash-Varianten arbeitete, brachten OpenAI und Anthropic ihre nächsten Generationen auf den Markt – und beide übertreffen Googles Gemini 3, das zuletzt im November 2025 veröffentlicht wurde. Google verlor damit Boden im KI-Rennen.
Neuer Chef, neuer Kurs
Kavukcuoglu übernahm die DeepMind-Leitung nach dem Rückzug von Demis Hassabis im August. Hassabis hatte damals von "großen Fortschritten" bei Gemini 4 gesprochen – ohne aber konkrete Termine zu nennen. Jetzt setzt Kavukcuoglu ein anderes Signal.
"Our intention is to, like – as soon as possible – to release an early post-training output because we see the results and we are excited," sagte Kavukcuoglu gegenüber The Information.
Das klingt nach Ungeduld – und nach dem Druck, den Google spürt. Auf die Frage, ob er besorgt sei, dass Google bei der KI-Entwicklung zurückfällt, antwortete Kavukcuoglu: "In my mind, it's a certainty that we are always gonna be at the frontier." Eine kühne Aussage angesichts der aktuellen Marktlage.
Was das für dich bedeutet
Für deutsche Unternehmen, die auf Googles KI-Modelle setzen oder planen, dies zu tun, könnte ein schneller Gemini-4-Launch wichtig werden. Bislang haben viele Organisationen auf OpenAI oder Anthropic ausgewichen, um Zugang zu den neuesten Frontier-Modellen zu bekommen. Ein wettbewerbsfähiges Gemini 4 würde die Optionen wieder ausgleichen – und möglicherweise auch die Preise unter Druck setzen, was für Anwender vorteilhaft wäre. Gleichzeitig zeigt sich hier ein grundsätzliches Muster: Der KI-Markt wird von wenigen Playern dominiert, und wer nicht schnell genug innoviert, verliert Marktanteile. Das hat auch regulatorische Implikationen – je konzentrierter der Markt, desto intensiver die Aufsicht.
Quellen
Redaktionell verantwortet von Ideal Syka. Quellen und Arbeitsweise: Redaktion & Methode. Hinweise und Korrekturen: ai@i6eal.de.




