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ChatGPT unterliegt nun EU-Regeln für sehr große Suchmaschinen

Die EU-Kommission stuft OpenAIs Chatbot erstmals als Suchmaschine ein und unterwirft ihn damit strengeren Kontrollpflichten. Bis Ende 2026 muss OpenAI Risikoprüfungen, Transparenzberichte und ein Werbearchiv liefern.

45 Millionen EU-Nutzer pro Monat

ChatGPT unterliegt nun EU-Regeln für sehr große Suchmaschinen

Die EU-Kommission hat ChatGPT erstmals als sehr große Suchmaschine nach dem Digital Services Act (DSA) eingestuft. Der Grund: OpenAIs Chatbot verfügt über integrierte Websuche und erreicht monatlich mindestens 45 Millionen Nutzer in der EU – damit überschreitet er den Schwellenwert für diese Klassifizierung deutlich. Die Einstufung bedeutet für OpenAI erhebliche neue Compliance-Anforderungen.

Kurz & knapp

  • ChatGPT wird als sehr große Suchmaschine eingestuft; Reddit und Roblox als sehr große Online-Plattformen
  • Alle drei Dienste haben bis Ende Dezember 2026 Zeit, neue Kontrollpflichten zu erfüllen
  • OpenAI muss ein öffentliches Werbearchiv, halbjährliche Transparenzberichte und Datenzugang für Forscher bereitstellen
  • Insgesamt sind nun 28 Plattformen und Suchmaschinen nach dem DSA eingestuft

Was sich für OpenAI ändert

Die Kommission erhält umfangreiche Prüfrechte über Risiken und Funktionsweise von ChatGPT. Zu den operativen Auflagen gehören:

Anforderung Frist
Öffentliches Werbearchiv Bis Ende 2026
Halbjährliche Transparenzberichte Bis Ende 2026
Datenzugang für zugelassene Forscher Bis Ende 2026
Meldemechanismen für illegale Inhalte Bis Ende 2026
Krisenreaktionsmechanismus Bis Ende 2026

OpenAI muss zudem Risiken prüfen – etwa bei illegalen Inhalten, Gefahren für Minderjährige oder Einflussnahme auf Wahlen. Die Kommission arbeitet dabei mit den Behörden in Irland und den Niederlanden zusammen, wo OpenAI regulatorisch ansässig ist.

Die umstrittene Frage: Trainingsdaten

Offen bleibt, ob der geforderte Datenzugang für Forscher auch Trainingsdaten oder Modellgewichte umfasst. Das ist unter Juristen umstritten. Rechtsprofessorin Natali Helberger von der Universität Amsterdam sagte dazu gegenüber Tech Policy Press:

"Das wirft interessante Fragen zum Umfang der Datenzugangsrechte auf, und ob die Zugangspflicht nach Artikel 40 möglicherweise auch den Zugang zu Trainingsdaten oder Modellgewichten umfassen könnte, falls ein solcher Zugang notwendig ist, um systemische Risiken zu erkennen."

Ein direktes Testen der Modelle durch die Kommission ist in der Einstufung nicht ausdrücklich vorgesehen – das könnte sich aber noch ändern, wenn die Risikobewertung es erfordert.

Wendepunkt in der europäischen KI-Regulierung

Die Einstufung von ChatGPT ist ein Wendepunkt: Sie zeigt, dass die EU-Kommission KI-Systeme nicht als reine KI-Produkte, sondern als digitale Dienste reguliert, sobald sie eine bestimmte Nutzergröße erreichen. Mit der Klassifizierung von ChatGPT, Reddit und Roblox sind nun insgesamt 28 Plattformen und Suchmaschinen nach dem DSA eingestuft.

Vize-Präsidentin Henna Virkkunen betonte, dass die Dienste sich strengeren Kontrollen unterziehen müssen – ein klares Signal an andere große Tech-Anbieter.

Was das für deutsche Unternehmen bedeutet

Die Einstufung von ChatGPT hat Signalwirkung: Deutsche Unternehmen, die KI-Systeme mit großem Nutzerpotenzial in der EU anbieten, sollten sich auf ähnliche Anforderungen vorbereiten. Der DSA gilt für alle Dienste, die die Schwellenwerte erreichen – unabhängig vom Sitz des Anbieters. Wer KI-Systeme in der EU betreibt, muss mit Transparenzpflichten, Risikoprüfungen und Datenzugangsrechten für Behörden und Forscher rechnen. Das ist kein Spezialfall für OpenAI, sondern die neue Normalität im europäischen Digitalraum.

Quellen

Redaktionell verantwortet von Ideal Syka. Quellen und Arbeitsweise: Redaktion & Methode. Hinweise und Korrekturen: ai@i6eal.de.

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