Cohere Inc., der Torontoer Sprachmodell-Spezialist, führt nach Informationen von vier mit der Angelegenheit vertrauten Personen fortgeschrittene Gespräche über eine Finanzierungsrunde im Umfang von 2 bis 3 Milliarden US-Dollar. Sollte der Deal zustande kommen, wäre es die größte Kapitalrunde einer kanadischen Startup-Gründung überhaupt.
Kurz & knapp
- Zielvolumen: 2–3 Milliarden USD; angestrebte Bewertung 20 Milliarden USD
- Beteiligte: Kanadische Regierung, deutsche Regierung, bestehende Investoren; Mehrheit der Mittel von privaten Investoren erwartet
- Timing: Deal könnte bereits nächste Woche abgeschlossen sein, könnte sich aber verschieben
- Vorgänger-Bewertung: Cohere war im September 2024 mit rund 7 Milliarden USD bewertet
Wer ist Cohere?
Cohere wurde 2019 gegründet und entwickelt große Sprachmodelle. Anders als OpenAI oder Anthropic zielt das Unternehmen nicht auf Verbraucher, sondern arbeitet mit Unternehmen und Regierungen zusammen. Zu den Kunden zählen die Royal Bank of Canada, BCE Inc. und Japans Fujitsu. Das Geschäftsmodell hat einen entscheidenden Vorteil: Weil Coheres Kunden die KI-Modelle auf ihrer eigenen Infrastruktur betreiben, benötigt das Unternehmen deutlich weniger Rechenleistung als seine US-amerikanischen Konkurrenten – und spart damit erhebliche Kosten.
Cohere positioniert sich als souveräne Alternative zu großen Tech-Konzernen und verspricht Kunden mehr Kontrolle über die Technologie. Dieses Versprechen hat das Unternehmen in Kanada an Gewicht gegeben.
Regierungen als Co-Investoren
Die Finanzierungsrunde ist bemerkenswert, weil gleich zwei Regierungen beteiligt sind: die kanadische und die deutsche. Das deutet darauf hin, dass Cohere von mehreren Ländern als strategisch wichtig für die technologische Souveränität wahrgenommen wird. Der Großteil der Mittel soll aber von privaten Investoren kommen – und die Nachfrage ist Quellen zufolge stark genug, um den Deal abzuschließen.
Coheres bisherige Geldgeber sind Radical Ventures, Inovia Capital, der Healthcare of Ontario Pension Plan, PSP Investments, die Business Development Bank of Canada und Nvidia. Welche dieser Investoren in der neuen Runde dabei sind, ist noch unklar.
Kontext: Europäische KI-Ambitionen
Coheres Finanzierungsgespräche folgen einem ähnlichen Muster wie bei der französischen KI-Firma Mistral, die diesen Monat 3 Milliarden Euro (4,8 Milliarden Dollar) bei einer Bewertung von 21 Milliarden Euro einsammelte. Mistral und Cohere werden oft als souveräne Alternativen zu US-amerikanischen KI-Anbietern verglichen – beide versprechen europäischen und kanadischen Kunden, nicht von US-Konzernen abhängig zu sein.
Das Timing könnte sich noch verschieben: Cohere-CEO Aidan Gomez ist nächste Woche auf drei großen Konferenzen eingeplant – dem Canada Investment Summit, dem Milken Institute Global Dialogues in Toronto und dem All In AI Expo in Montreal. Diese Termine könnten den Deal-Abschluss verzögern.
Was das für deutsche Unternehmen bedeutet
Die deutsche Regierungsbeteiligung an Coheres Finanzierungsrunde signalisiert ein klares strategisches Interesse an europäischer KI-Unabhängigkeit. Für deutsche Unternehmen könnte das bedeuten: Cohere wird als vertrauenswürdiger Partner für KI-Anwendungen gestärkt, bei dem Daten und Modelle unter europäischer Kontrolle bleiben. Gleichzeitig zeigt sich, dass private Investoren massiv in nicht-amerikanische KI-Anbieter fließen – ein Zeichen, dass der globale KI-Markt fragmentiert und dass Alternativen zu OpenAI & Co. ernst genommen werden.
Quellen
Redaktionell verantwortet von Ideal Syka. Quellen und Arbeitsweise: Redaktion & Methode. Hinweise und Korrekturen: ai@i6eal.de.




