Was die Studie untersucht
Die Anthropic-Forscher William Zhou und Daniel Freeman haben geprüft, ob kleine KI-Modelle sich künftig selbstständig über schlecht gesicherte IoT-Geräte wie Smart-TVs, smarte Kühlschränke oder Staubsaugerroboter verbreiten können. Ein solcher "KI-Wurm" würde seine Modellgewichte als Teil der Schadsoftware mit sich tragen und direkt auf der kompromittierten Hardware ausführen, so The Decoder.
Im Versuchsaufbau verteilten die Forscher das Modell Gemma4-26B-A4B auf 15 handelsübliche Android-TV-Boxen mit jeweils rund 55 US-Dollar Preis und 4 GB RAM. Jede Box übernahm einen Teil der Modellschichten. Das Modell lief langsam, aber funktionsfähig. Den eigentlichen Hackerangriff klammerten die Forscher aus, da frühere Studien gezeigt hätten, dass kleine Modelle solche Angriffe beherrschen. Untersucht wurde stattdessen das Einrichten einer KI-Umgebung auf fremder Hardware.
Wie weit die Modelle sind
Einzelne Schritte beherrschen kleine Modelle bereits. Ein 9-Milliarden-Parameter-Modell richtete auf 8 von 9 getesteten Gerätetypen selbstständig eine KI-Umgebung mit Llama3.1-8B ein. Die vollständige Kette vom Netzwerkscan bis zur fertigen Kopie schaffte laut Bericht jedoch nur GLM-5.2: In vier von fünf Durchläufen infizierte es alle acht Testknoten. Die drei anderen Modelle verbreiteten sich kein einziges Mal über den Ausgangsknoten hinaus.
In einem Lernversuch gaben die Modellinstanzen Notizen über erfolgreiche und gescheiterte Strategien an Nachfolger weiter. Beim Modell Qwen3.5-9B stieg die Erfolgsrate von 45 Prozent in der ersten Generation auf bis zu 84 Prozent in späteren Generationen.
Warum das schwer zu stoppen wäre
Das Einrichten auf einem neuen Gerät dauert laut Studie je nach Modell zwischen 28 und 150 Stunden. Die Forscher vergleichen den Replikator deshalb mit einem "digitalen Schleimpilz". Gerade die Dezentralität macht ihn schwer abschaltbar, weil es keinen zentralen Kontrollpunkt gibt. Herkömmliche Botnets wie Kimwolf, das auf seinem Höhepunkt mehr als zwei Millionen Geräte infiziert hatte, funktionieren dagegen nur auf bestimmten Gerätetypen.
Hintergrund
Anthropic-CEO Dario Amodei warnte bereits in einem früheren Beitrag, ein solcher Schwarm könne "in 6 bis 12 Monaten" in der Lage sein, das gesamte Internet mit einem dauerhaften Botnet zu übernehmen, mit potenziellen Schäden von Hunderten Milliarden Dollar. Die Forscher erwarten laut Bericht, dass kleine Modelle bis Ende 2026 so weit sein könnten, die Anforderungen zu erfüllen, also klein genug für Alltagsgeräte und fähig genug zur Replikation. Derzeit erfüllt kein Modell beide Bedingungen zugleich.
Mögliche Gegenmaßnahmen
Die Studie nennt mehrere Ansatzpunkte: Internetanbieter könnten infizierte Netzwerke unter Quarantäne stellen, wie es beim Mirai-Botnet geschehen sei, wo 92 Prozent der Infektionen innerhalb von 14 Tagen beseitigt wurden. Hersteller könnten den Pool verwundbarer Geräte verkleinern, etwa durch das Verbot von Standard-Passwörtern, das in Großbritannien bereits Gesetz sei. Die Forscher erwarten allerdings, dass KI-Botnets auch intelligent auf Verteidiger reagieren könnten.
Einordnung
Für Unternehmen, die vernetzte Geräte betreiben oder einsetzen, könnte die Studie bedeuten, Standardpasswörter und Firmware-Updates auf Geräten ohne sichere Konfiguration stärker zu priorisieren. Wie schnell sich die beschriebene Replikation tatsächlich entwickelt, ist offen: Die Ergebnisse stammen aus einem Laborversuch mit einzelnen Modellen und Gerätetypen.
Quellen
Redaktionell verantwortet von Ideal Syka. Quellen und Arbeitsweise: Redaktion & Methode. Hinweise und Korrekturen: ai@i6eal.de.




