Guide · Google Vertex AI

Google Vertex AI: der Praxis-Guide für den Mittelstand

Vertex AI gibt dir Googles Gemini-Modelle – und über den Model Garden auch Claude, Llama und Mistral – in deinem Google-Cloud-Projekt, mit EU-Datenresidenz. Hier liest du, was das DSGVO-technisch wirklich bedeutet, was es kostet und wie du in etwa 15 Minuten deinen ersten Call machst.

Aktualisiert: 7. Juli 2026 · 11 Min. Lesezeit

Isometrische Illustration: viele KI-Modelle laufen über einen zentralen Knoten und ein gesichertes Tor in ein Rechenzentrum, das von einem schützenden Ring umgeben ist.
Kurz & knapp
  • Vertex AI ist Googles verwaltete KI-Plattform in der Google Cloud. Du bekommst Googles Gemini-Modelle nativ – und über den Model Garden zusätzlich Partnermodelle wie Claude, Llama und Mistral, alles unter einem Vertrag.
  • Der DSGVO-Kern ist der Endpoint: Ein regionaler Endpoint (europe-west3/Frankfurt) oder die EU-Multiregion halten die Verarbeitung in der EU. Der globale Endpoint tut das NICHT.
  • Google trainiert seine Modelle nicht auf deinen Vertex-Prompts, und der Google-Cloud-DPA (Art. 28 DSGVO) gilt inklusive Standardvertragsklauseln.
  • Preis-Feinheit: Gemini 2.5 kostet regional genauso viel wie global – kein EU-Aufschlag. Bei den neuen GA-Gemini-3-Modellen kostet ein regionaler/EU-Endpoint dagegen rund 10 % mehr als der globale.

Was ist Google Vertex AI?

Vertex AI ist die verwaltete KI-Plattform der Google Cloud. Darüber nutzt du Googles Gemini-Modelle per API, ohne selbst Infrastruktur zu betreiben: Prompt rein, Antwort raus, abgerechnet werden nur die verbrauchten Token. Anfang 2026 hat Google die generative KI unter dem Namen „Gemini Enterprise Agent Platform“ gebündelt – das Produkt heißt weiter Vertex AI, die API bleibt aiplatform.googleapis.com.

Das Besondere gegenüber der direkten Gemini-API (ai.google.dev, per API-Key): Vertex läuft in deinem Google-Cloud-Projekt. Authentifizierung über IAM statt geteiltem Key, Abrechnung über deine bestehende Cloud-Rechnung, SLAs, privates Networking – und die Möglichkeit, die Verarbeitung auf die EU zu beschränken.

Und Vertex ist nicht nur Gemini: Über den Model Garden bekommst du dieselben Enterprise-Bedingungen auch für Partnermodelle – Anthropics Claude, Metas Llama, Mistral und weitere – als verwaltete APIs. Ein Vertrag, eine Rechteverwaltung, viele Modelle.

Deine AnwendungVertex AIein Google-Cloud-ProjektGemini · Googles Modelle2.5 Pro · 2.5 Flash · 2.5 Flash-LiteModel Garden · PartnermodelleClaude · Llama · Mistral · Qwen …
Vertex AI bündelt Googles Gemini-Modelle und Partnermodelle (Claude, Llama, Mistral) unter einem Google-Cloud-Vertrag, einer Abrechnung und einer Rechteverwaltung (IAM).

Warum Vertex AI für den Mittelstand? Das DSGVO-Argument

Die größte Hürde für KI im deutschen Mittelstand ist selten die Technik – es ist der Datenschutz. „Dürfen wir überhaupt Kundendaten an ein US-Modell schicken?“ bremst fast jedes Projekt aus.

Vertex beantwortet das über die Datenresidenz – und hier steckt der entscheidende Punkt im Detail. Google trennt zwei Ebenen: wo Daten ruhen (Speicherung) und wo sie verarbeitet werden (die ML-Verarbeitung, also die eigentliche Inferenz). Für die DSGVO zählt vor allem die Verarbeitung.

Beides steuerst du über den Endpoint. Rufst du einen regionalen Endpoint wie europe-west3 (Frankfurt) oder die EU-Multiregion (eu) auf, bleibt die Verarbeitung deiner Prompts und Antworten in der EU. Google trainiert seine Modelle nicht auf diesen Daten, und der Google-Cloud-DPA nach Art. 28 DSGVO gilt inklusive Standardvertragsklauseln.

Der wichtigste Stolperstein: Der globale Endpoint (global) tut das NICHT. Er routet deine Anfrage dynamisch dorthin, wo gerade Kapazität frei ist – weltweit, ohne Residenz-Garantie. Google empfiehlt den globalen Endpoint inzwischen sogar als Standard für Verfügbarkeit. Für echte EU-Datenresidenz musst du also bewusst einen regionalen oder EU-Endpoint wählen – und prüfen, dass dein Modell dort verfügbar ist. Genau dieser Schalter ist der Kern des Themas.

Der Endpoint entscheidet über die Datenresidenz

Dein PromptRegionaler Endpointeurope-west3FrankfurtEU-MultiregioneuEU-DatengrenzeGlobaler Endpointglobalweltweit · keine Garantie
Ein regionaler Endpoint (z. B. europe-west3/Frankfurt) oder die EU-Multiregion (eu) halten die ML-Verarbeitung in der EU. Der globale Endpoint routet weltweit und ist damit für Datenresidenz nicht geeignet. Welche EU-Region ein Modell anbietet, hängt vom Modell ab – Frankfurt, Belgien, Niederlande, Paris und Mailand sind gängige Optionen.

AktuellGemini-Modelle mit EU-Datenresidenz

Diese generell verfügbaren (GA) Gemini-Modelle kannst du über einen europäischen regionalen Endpoint (z. B. europe-west3) mit EU-Datenresidenz betreiben. Preise sind On-Demand-Listenpreise pro 1 Mio. Token in US-Dollar (Standard-Kontext bis 200K Token).

ModellKontextInput $/1MOutput $/1MEU-Residenz
Gemini 2.5 ProGooglegemini-2.5-pro1 Mio.multimodal1,2510,00EU-Region
Gemini 2.5 FlashGooglegemini-2.5-flash1 Mio.multimodal0,302,50EU-Region
Gemini 2.5 Flash-LiteGooglegemini-2.5-flash-lite1 Mio.multimodal0,100,40EU-Region

Wichtig fürs Budget: Die Gemini-2.5-Familie kostet auf einem regionalen EU-Endpoint dasselbe wie global – kein Aufschlag. Bei den neueren GA-Gemini-3-Modellen führt Google ab dem 1. Juli 2026 dagegen einen Aufpreis für nicht-globale (regionale/EU-)Endpoints ein – rund 10 % über dem globalen Preis. Da DSGVO-Residenz genau einen solchen regionalen Endpoint verlangt, zahlt eine residenzkonforme Gemini-3-Nutzung diesen Aufschlag mit.

Stand: 7. Juli 2026. Preise und Verfügbarkeit ändern sich – maßgeblich ist die Vertex-Preisseite. Sehr große Kontexte (über 200K Token) werden bei Gemini 2.5 Pro höher berechnet. Offizielle Vertex-Preise ↗

AktuellPreisspanne: Kosten je 1 Mio. Token

Preis anzeigen:
0.10.31310Gemini 2.5 Pro10,00Gemini 2.5 Flash2,50Gemini 2.5 Flash-Lite0,40
On-Demand-Listenpreise in US-Dollar auf logarithmischer Skala. Die Gemini-2.5-Familie kostet auf einem europäischen regionalen Endpoint dasselbe wie global – kein EU-Aufschlag. Das sind Infrastruktur-Preise, keine Qualitätswertung.

Was kostet Vertex AI?

Vertex rechnet im Standardfall on-demand ab: Du zahlst pro Token, getrennt nach Input und Output. Kein Grundpreis, kein Leerlauf – schickst du nichts, zahlst du nichts. Eine Zusammenfassung von zwei DIN-A4-Seiten kostet mit Gemini 2.5 Flash Bruchteile eines Cents.

Der angenehme Teil für die EU: Die Gemini-2.5-Familie kostet auf einem regionalen Endpoint in Frankfurt genauso viel wie auf dem globalen – anders als bei manchem Wettbewerber zahlst du für die EU-Verarbeitung keinen Aufschlag. Die Ausnahme sind die neuen GA-Gemini-3-Modelle, für die regionale Endpoints ab Juli 2026 rund 10 % mehr kosten.

Zwei Hebel senken die Rechnung weiter: Context Caching (wiederkehrende Prompt-Teile werden günstiger abgerechnet) und Batch-Verarbeitung (asynchron, rund 50 % günstiger). Für planbare, hohe Last gibt es Provisioned Throughput. Für die meisten Mittelständler gilt: Starte on-demand, miss deinen echten Verbrauch, optimiere erst dann.

AktuellKostenrechner: was kostet das pro Monat?

11,96€/Monat
≈ 13,00 $ pro Monat
Input 2,76 €Output 9,20 €
Den vollen ROI rechnen

Grobe Schätzung auf Basis der On-Demand-Listenpreise (Gemini 2.5, regional = gleicher Preis wie global), Wechselkurs ~0,92 €/$. Google listet in US-Dollar; maßgeblich ist die Google-Cloud-Abrechnung.

Schritt für Schritt: dein erster Call auf Vertex AI

So kommst du von null zur ersten Antwort – in etwa 15 Minuten. Für den Standard-Einsatz brauchst du keinen Freischalt-Antrag.

Cloud-ProjektVertex-AI-APIeurope-west3Auth (ADC)Erster CallAntwort
Fünf Schritte – vom Google-Cloud-Projekt bis zur ersten Antwort.
  1. 1
    Google-Cloud-Projekt anlegen & Abrechnung aktivieren

    Melde dich in der Cloud Console an, leg ein Projekt an und aktiviere die Abrechnung. Alles Weitere hängt an diesem Projekt.

  2. 2
    Vertex-AI-API aktivieren

    Aktiviere die Vertex-AI-API (aiplatform.googleapis.com) – in der Konsole per Klick oder mit gcloud services enable aiplatform.googleapis.com.

  3. 3
    EU-Region als Endpoint wählen

    Nutz für Datenresidenz einen regionalen Endpoint wie europe-west3 (Frankfurt) oder die EU-Multiregion (eu) – NICHT „global“. Nur so bleibt die Verarbeitung garantiert in der EU. Prüf, dass dein Modell in der Region verfügbar ist.

  4. 4
    Authentifizierung einrichten (ADC)

    Lokal: gcloud auth application-default login. In Produktion: ein Service-Account mit der Rolle „Vertex AI User“ (roles/aiplatform.user); die Client-Bibliothek zieht die Anmeldedaten automatisch (Application Default Credentials) – ein API-Key ist nicht nötig.

  5. 5
    SDK installieren & ersten Call abschicken

    pip install google-genai, den Client mit vertexai=True, deinem Projekt und location="europe-west3" erstellen und generate_content aufrufen – siehe Code unten.

Beispiel: ein Call auf Vertex AI über das Google-Gen-AI-SDK (Python, google-genai)
from google import genai

# Vertex AI · regionaler Endpoint in Frankfurt = Verarbeitung in der EU
client = genai.Client(
    vertexai=True,
    project="dein-projekt-id",
    location="europe-west3",  # Frankfurt – NICHT "global"
)

response = client.models.generate_content(
    model="gemini-2.5-flash",
    contents="Erklär in einem Satz, was Vertex AI ist.",
)

print(response.text)

Der Schlüssel für die EU-Residenz ist location="europe-west3" (oder die EU-Multiregion) statt "global". Die Authentifizierung läuft über IAM/ADC, nicht über einen API-Key – das ist der Unterschied zur direkten Gemini-API.

Vertex AI, Bedrock, Azure oder direkte API? Eine klare Einordnung

Vertex ist nicht immer die beste Wahl. Die kurze Entscheidungshilfe:

Vertex AI (Google Cloud)Du bist schon in der Google-Welt (Workspace, Google Cloud, IAM) oder willst gezielt Gemini – für sehr lange Kontexte und multimodale Eingaben – mit EU-Region und, wenn nötig, Claude & Co. aus dem Model Garden unter einem Vertrag.
AWS BedrockDu bist schon auf AWS oder willst Claude, Llama, Mistral und Nova unter einer IAM-Welt mit Frankfurt-Region. Beachte: das EU-Inferenzprofil für Claude kostet dort einen Aufschlag.
Azure OpenAIDu bist auf Microsoft 365 / Azure standardisiert und willst OpenAIs GPT-Modelle mit EU-Datenzone auf einem Vertrag, den deine Rechtsabteilung schon kennt.
Direkte Anbieter-APIDu willst den einfachsten Aufbau und neue Modelle am Tag null und hast keine harten Datenresidenz-Vorgaben. Google, OpenAI und Anthropic trainieren nicht auf deinen API-Daten.

Die Modelle konvergieren, die Plattformen unterscheiden sich in Verträgen, Identitäten und Regionen. Entscheidend ist selten „welches Modell“, sondern „wo bist du schon – und wo bleibt die Verarbeitung?“.

DSGVO-Checkliste für Vertex AI

Damit dein Vertex-Einsatz datenschutzkonform ist, achte auf diese Punkte:

  • Regionalen Endpoint (z. B. europe-west3/Frankfurt) oder die EU-Multiregion (eu) nutzen – NICHT den globalen Endpoint. Und prüfen, dass dein Modell in der gewählten Region verfügbar ist.
  • Auftragsverarbeitung: Der Google Cloud Data Processing Addendum (Art. 28 DSGVO) gilt inklusive Standardvertragsklauseln für Drittlandtransfers – bestätige, dass Vertex AI als „Covered Service“ gelistet ist.
  • Kein Training: Google nutzt deine Prompts und Antworten nicht, um seine Foundation-Modelle zu trainieren (Google Cloud Service Specific Terms).
  • Caching & Retention bewusst entscheiden: Gemini cached Eingaben standardmäßig bis zu 24 Stunden. Für Null-Speicherung Caching deaktivieren und Zero Data Retention (ZDR) aktivieren.
  • Abuse-Monitoring kennen: Bei Standardmodellen loggt Google nur auffällige Prompts (bis 90 Tage, in deiner Region) – ein Opt-out ist per Formular möglich. Für strengere Vorgaben ZDR und Abuse-Opt-out kombinieren.
  • Sicherheit härten: CMEK (eigene Schlüssel), VPC Service Controls und Access Transparency aktivieren; Datenminimierung im Prompt und die KI-Verarbeitung ins Verarbeitungsverzeichnis (ggf. eine DSFA) aufnehmen.

AktuellNeueste Vertex-AI- & Gemini-Neuigkeiten

Was sich zuletzt rund um Vertex AI und Gemini getan hat:

Quellen & Stand

Zuletzt geprüft: 7. Juli 2026

Dieser Guide ist eine praxisnahe Orientierung, keine Rechts- oder Steuerberatung. Preise, Modellverfügbarkeit, Regionen und Vertragsdetails ändern sich – maßgeblich sind die offiziellen Google-Cloud-Seiten. Für die datenschutzrechtliche Bewertung deines konkreten Einsatzes zieh fachkundige Beratung hinzu.

Häufige Fragen zu Vertex AI

Ist Vertex AI DSGVO-konform nutzbar?

Ja, bei richtiger Konfiguration. Rufst du ein Gemini-Modell über einen regionalen Endpoint (z. B. europe-west3/Frankfurt) oder die EU-Multiregion auf, bleibt die Verarbeitung in der EU. Google bietet einen DPA nach Art. 28 DSGVO und trainiert nicht auf deinen Daten. Wichtig: Der globale Endpoint garantiert die EU-Verarbeitung nicht – der Endpoint ist entscheidend.

Was ist der Unterschied zwischen regionalem und globalem Endpoint?

Der globale Endpoint (global) routet deine Anfrage dynamisch weltweit dorthin, wo Kapazität frei ist – ohne Residenz-Garantie. Ein regionaler Endpoint wie europe-west3 oder die EU-Multiregion (eu) hält die ML-Verarbeitung in der EU. Für Datenresidenz brauchst du einen regionalen oder EU-Endpoint.

Bekomme ich über Vertex nur Gemini?

Nein. Vertex AI bietet über den Model Garden auch Partnermodelle als verwaltete APIs – Anthropics Claude, Metas Llama, Mistral und weitere. Du bekommst also Gemini und Drittanbieter-Modelle unter einem Google-Cloud-Vertrag, einer Rechteverwaltung und einer Abrechnung.

Was kostet Vertex AI?

Im Standard zahlst du on-demand pro Token, getrennt nach Input und Output, ohne Grundgebühr. Die Gemini-2.5-Familie kostet auf einem EU-Endpoint dasselbe wie global. Bei den neuen GA-Gemini-3-Modellen kosten regionale/EU-Endpoints ab Juli 2026 rund 10 % mehr. Aktuelle Preise stehen in der Tabelle oben.

Vertex AI oder die direkte Gemini-API?

Es sind dieselben Modelle. Vertex lohnt sich, wenn du EU-Datenresidenz, IAM statt API-Key, die Google-Cloud-Vertragswelt und SLAs willst – oder zusätzlich Partnermodelle aus dem Model Garden. Die direkte Gemini-API (per API-Key) ist einfacher und gut für Prototypen ohne harte Residenz-Vorgaben.

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